Wo man hinblickt, überall Zeitfresser! Ob beim Zugfahren oder während wir auf einem Termin warten, verstreicht ungenutzte, wertvolle Zeit. Zeit, die wir besser nutzen könnten, statt Löcher in die Decke zu starren.

Ich kenne das sehr gut. Man steht früh auf, frühstuckt und fährt erst einmal zur Arbeit, die neun oder zehn Stunden verschlingt. Anschließend fährt man wieder Heim, duscht, kocht und isst. Wenn man damit fertig ist, kann man schon fast wieder schlafen gehen. Viel Raum für die eigene Entfaltung bleibt einem da nicht mehr. Aber irgendwie muss man seine Brötchen ja verdienen. Die Arbeit aufzugeben, um sich komplett seinen geliebten Hobbies zu widmen würde für die meisten den finanziellen Ruin bedeuten und ist daher völlig ausgeschlossen. Woher nimmt man sich also die Zeit für die eigenen Projekte?

Man analysiert seinen Tagesablauf und findet die Zeitfresser. Das ist der Punkt an dem man tätig werden kann.

Wenn du ein Student bist, der auf die Bahn angewiesen ist und täglich mehrere Stunden während der Fahrt verschenkt, dann schnapp dir ein iPad, einen Laptop oder wenigstens Stift und Papier und nutze die Zeit sinnvoll. Nutze die Zeit für ein kleines Brainstorming oder gestalte ein paar Sprites. Programmiere ein kleines Algorithmus für deine Game Engine oder strukturiere deinen Code. Alles was du machst, egals was es auch ist, kommt deinem Projekt zu Gute und bringt dich voran.

Wenn du einen Arzttermin hast, sitze nicht sinnlos im Warteraum herum. Und wenn du Auto fahren musst und deine Hände beschäftigt sind, so ist dein Kopf doch frei für Ideen. Grüble über das Design oder die Story zu deinem Spiel. Die einen meinen, dass das unverantwortlich ist und das mag auch stimmen, denn nicht jeder ist multitasking fähig. Aber das muss jeder für sich wissen. Bei mir klappt das jedenfalls gut. Sobald ich dann auf der Arbeit angekommen bin, schreibe ich schnell meine Gedanken auf und gehe in meinen Arbeitsalltag über. Zu Hause, am Wochenende oder in einer anderen freien Minute, arbeite ich den Gedanken weiter aus. Aber die Hauptsache ist doch, dass er erst einmal aufgeschrieben ist.

Jede freie Minute bis auf das letze Quäntchen auszunutzen klappt vielleicht nicht immer - und manchmal wirst du dich einfach nur ausruhen wollen - doch wenn du etwas machst, kann das nur einen positiven Effekt haben.

Bei mir geht das manchmal sogar so weit, dass ich vor dem Schlaf über mein Projekt nachdenke und es Nachts in meinen Träumen programmiere. Es gab auch schon Tage an dennen ich Morgens mit einer Lösung zu einem Problem aufgewacht bin, an dem ich mir seit Wochen die Zähne ausgebissen hatte.

Versteh' mich nicht falsch! Wenn dein Körper oder dein Geist überfordert ist, und das lässt er dich wissen, dann solltest du dich lieber ausruhen statt zu arbeiten. Ich spreche nur von ungenutzter Zeit, in der du etwas machen woltest, sie dir aber zu kurz für größere Vorhaben erscheint.

Im folgenden sprechen wir über die Tools, die mir persönlich bei der Entwicklung von Ideen und sogar beim Programmieren helfen.

Ein Gadget, dass ich immer dabei habe, ist ein iPad! Wo immer ich auch bin, das iPad liegt griffbereit in meiner Tasche. Ob im Kaffee während der Mittagspause oder beim Fernsehen. Ganz egal, es ist immer dabei.

Ein iPad ist super. Es ist größer als ein Smartphone und bietet viel Platz für kreative Ideen. Man kann es sehr gut für die Spieleentwicklung, die Arbeit oder das Studium nutzen. Ein leichter und nützlicher Weggefährte.

Ich verstehe, dass ein solches Gerät viel Geld kosten kann, aber in der heutigen Zeit hat fast jedes Kind solche teueren 'Spielzeuge'. Und mal im Ernst, wenn man sich online umschaut, kann man es für 100,- EUR ersteigern. Es muss ja nicht gleich ein 12" Pro Model für 1000,- EUR sein. Ein iPad Air oder Mini 1 reicht völlig. Dann noch einen Stylus und eine Bluetooth Tastatur und schon hat man eine portable Pipeline für unterwegs.

Bei der App-Auswahl wird es interessanter!

Wer sich mir der Spieleentwicklung beschäftigt, weiß, dass man viele Hüte tragen muss. Um ein Spiel zu erstellen, benötigt man eine gute Idee, hübsche Grafiken und natürlich ein bisschen Code. Ich beziehe mich nun auf die Einzelgänger unter uns, wie mich selbst. Das bedeutet, dass wir bei einem Game alles allein machen. Wir haben keinen der uns die Sprites erstellt und auch keinen Sound-Composer für die Musik. Auch keinen Programmierer, der für uns den Code schreibt. Selbst ist der Mann (die Frau)!

Meine erste App-Empfehlung ist daher Procreate. Über Procreate habe ich breits 2014 geschrieben. Es ist so etwas wie Photoshop für das iPad und man kann es für allerlei Aufgaben nutzen.

Ich erstelle gerne Moodboards damit. Immer wenn ich eine Idee für ein Spiel habe, öffne ich Procreate und beginne damit meine Gedanken nieder zu schreiben. Anschließend trage ich noch einige Bilder zusammen, um das zukünftige Spiel zu visualisieren und erstelle ein paar Skizzen. Bilder sind wichtig, um ein Gefühl für den Stil zu bekommen, in dem das Spiel gestaltet wird. Oft sind es Screenshots aus anderen Games, wo mir das eine oder andere Spielelement gefällt. Mit Skizzen gebe ich dem Spiel einen Raum, in dem ich es formen kann.

Es ist theoretisch auch möglich alle Grafiken für das Spiel komplett in Procreate zu erstellen, wenn man sich eine Strategie zurecht gelegt hat, wie man diese anschließend in seiner Game Engine verwendet. (Tip: siehe hier)

Wenn die Spiel-Idee erst einmal so weit ist, möchte man vielleicht auch den einen oder anderen Dialog dafür schreiben. Dazu kann ich iA Writer empfehlen. Eine super App, wenn man sich rein auf das Schreiben von Text konzentrieren möchte.

Der Prozess der Ideenfindung ist der wichtigste in der gesamten Entwicklung und vielleicht der längste. Es ist daher wichtig sich hierfür genügend Zeit zu nehmen und alles so weit wie möglich durch zu planen. Änderungen im Nachgang vorzunehmen, könnte schwierig werden und wird den Zeitplan höchstwahrscheinlich massiv durch einander bringen. Auch der Spieler wird den hineingequetschten Inhalt schnell merken, was sein Spielerlebnis nur unnötig schmälert.

Bei der Erstellung von Sprites kann man auf Procreate oder Pixaki 3 bauen. Beides sind großartige Programme.

Unabhängige Entwickler, sogennannte Indies, gestalten ihre Games gern in Pixel Art. Das Pixeln ist oft leichter und schneller als herkömmliches Zeichnen, da die Auflösung und damit auch die Arbeitsfläche, sowie der Arbeitsaufwand kleiner sind. Dementsprechend sind auch Animationen einfacher umzusetzen.

Früher waren solche Dinge gängige Praxis und außerdem gab die Hardware nicht mehr her. Heute können wir ohne Probleme Spiele in Retina-Auflösung erstellen. Aber Retro ist wieder 'in' - also warum nicht?

Mit Pixaki gibt es endlich eine mobile App für das Pixeln von Sprites. Animationen sind ebenfalls möglich. Anschließend kann alles in Spritesheets gewandelt und in verschiedenen Formaten exportiert werden. Das Importieren der Spritesheets in eine Game Engine ist wieder ziehmlich einfach. (Diesen Aspekt werde ich in einem späteren Fallow-Up-Post wieder aufgreifen.)

Bisher musste ich meine Arbeit am iPad ständig unterbrechen, wenn ich Sprites erstellen wollte. Dann bin ich zu Aseprite auf meinem Mac Mini gewechselt. Ich habe dort alle Grafiken angelegt und die fertigen Spritesheets über meine Dropbox zurück auf das iPad synchronisiert. Mit Pixaki ist dies nun überflüssig. Jetzt kann ich alles komplett am iPad erledigen. Einfach super bequem!

Um das Gesamtbild meiner mobilen Pipeline zu vervollständigen, bleiben noch zwei Tools übrig, die ich euch ebenfalls vorstellen möchte. Mit den oben genannten Werkzeugen haben wir alles beisamen, um vom Konzept zu den fertigen Bildern und Texten zu kommen. Bleiben nur noch der Code und die Musik, um diesen Leben einzuhauchen.

Bei der nächsten App, die ich dir an's Herz legen möchte, handelt es sich um eine komplette Entwicklungsumgebung. Die einzige ihrer Art auf den mobilen Endgeräten. Damit kannst du jedes Spiel erstellen, das dir in den Sinn kommt und das an jedem Ort - unterwegs oder zu Hause.

Die App von der ich spreche, heißt Codea. Auch über Codea habe ich 2014 bereits einen kleinen Beitrag verfasst. Wenn du genau hinschaust, merkst du, dass mein halber Blog davon handelt! Codea ist wirklich klasse!

Meinen ersten Kontakt mit Codea hatte ich 2012 oder 2013, so genau weiß ich das nicht mehr. Damals habe ich erst angefangen mich für die Spieleentwicklung zu interessieren und hatte erste Berührungen mit LÖVE 2D und Corona SDK. Als ich dann schließlich Codea im App Store fand, wusste ich, dass ich damit entwickeln möchte und mit keinem anderen Framework. Um meine Begeisterung für diese App zu verstehen, musst du es selbst probieren! Keine andere IDE bietet das Erlebnis, Code mit dem Finger zu berühren. Die Autovervollständigung und die ganzen Widget, die aufgehen, wenn man Bilder und Farben anwählt, sind eine riesige Arbeitserleichterung und ein Hingucker noch dazu. Ein dickes Extra ist, dass man damit mobil bleibt und somit überall seinem Hobby nachgehen kann.

Dass Lua als Programmiersprache in Codea zum Einsatz kommt, ebenso, wie in Corona, war für mich damals eine erfreuliche Überraschung, denn zu der Zeit habe ich verschiedene Engines und Programmiersprachen ausprobiert und keine gefiel mir so gut wie Lua. Codea und Lua sind einfach die perfekte Symbiose! Mit der Zeit wuchsen mir Lua und Codea an's Herz und so kam es, dass ich bis heute dabei blieb. Auch heute gibt es keine Engine, die mich mehr beeindruckt als Codea.

Mit Codea lassen sich alle Arten von Spielen und Apps programmieren. Theoretisch könnte man Pixaki ebenfalls in Codea nachempfinden, wenn man nur genug Zeit und Hingabe opfert - oder man kann stattdessen ein cooles Game entwickeln, statt das Rad neu zu erfinden.

Bis zu diesem Augenblick hast du vier meiner Tools kennen gelernt: Procreate, Pixaki, Writer und Codea. Damit kannst du bereits ein komplettes Spiel auf die Beine stellen. Aber was wäre ein Spiel ohne gute Sound-Effekte?

Wenn du ein guter Musiker bist oder zumindest ein Ohr dafür hast, wirst du mir GrangeBand bzw. Beatmaker sehr gute Ergebnisse erzielen. Wenn du aber eher auf die gute alte 8-Bit-Ära stehst und spielerisch Tracks komponieren möchtest, dann rate ich eher zu Pixitracker. Mit Pixitracker hat man selbst als musikalischer Leie gute Aussichten auf Erfolg (ich spreche aus Erfahrung).

Das ist sie also, meine mobile #gamedev Pipeline! Procreate und Writer für das Brainstorming. Procreate und Pixaki für die Sprites. Pixitracker zum Musizieren und Codea für die Programmierung.

Im nächsten Blog Post gebe ich einen kurzen Einblick in meine Arbeitsweise mit meiner zusamengestellten Pipeline.